
Wesentliche Ergebnisse der Studie zu den Beschäftigtenzahlen im Bereich der Logistik im Kreis Gütersloh, SCI Verkehr GmbH, August 2008

Entwicklung der Branchenstruktur
Die Logistikbranche im Kreis Gütersloh ist eng mit dem verarbeitenden Gewerbe verbunden und in ihrem Wachstum sowie ihrer Angebotsvielfalt den Entwicklungen und Anforderungen der Industrieunternehmen in den letzten Jahrzehnten gefolgt. Aufgrund der breit gefächerten Branchenstruktur im Kreis Gütersloh ist die Logistikbranche mit ihren clusterspezifischen Logistikspezialisten vergleichsweise breit aufgestellt. So verfügt der Kreis Gütersloh beispielsweise über Spezialisten im Bereich Kühlkettentransport oder Transport von Windkrafträdern bis hin zur arvato AG, die logistische Dienstleistungen in großem Maße an den Standort Kreis Gütersloh bindet, welche nicht zwingend mit der Industrie im Kreis Gütersloh oder dem näheren Umfeld in Verbindung stehen.
Fachkräfte
In den letzten Jahrzehnten verfolgten die Logistikdienstleister die Ausbildung von logistikspezifischen Fachkräften nicht konsequent. Auch vernachlässigten sie gemeinsam mit den Spediteuren in der Vergangenheit eine langfristig ausgerichtete, strategische Personalentwicklung im Kreis. Diese befindet sich momentan im Aufbau. Zudem ist das Image der entsprechenden Ausbildungsberufe aufgrund der vergleichsweise geringen gesellschaftlichen Akzeptanz sowie der Bezahlung ausgesprochen ausbaufähig. So interessierten sich laut Aussagen von Logistikexperten aus dem Kreis Gütersloh nur wenige Schulabgänger für Ausbildungsplätze in der Logistikbranche. Sie bevorzugen eher Ausbildungsmöglichkeiten in der Maschinenbau-Branche. Eine Imagekampagne zur Verbesserung des Ansehens logistikspezifischer Ausbildungsberufe wäre wünschenswert und könnte auch zu einem Anstieg der Qualität der Auszubildenden beitragen. Als positiv zu bewerten sein dürfte die Einrichtung einer ortsnahen Fachklasse "Fachlagerist/Fachkraft für Lagerlogistik" am Ems-Berufskolleg in Rheda-Wiedenbrück zum Schuljahr 2008/2009. Im Schuljahr 2007/ 2008 wurden am Carl-Severing Berufskolleg in Bielefeld insgesamt 18 Fahrer (verteilt über drei Jahre) aus dem Kreis Gütersloh beschult. Inwieweit hier mittelfristig die Einrichtung einer Fachklasse für Berufskraftfahrer an einem Berufskolleg im Kreis GT sinnvoll ist, hängt maßgeblich von den Ausbildungsangeboten der Unternehmen ab. Der Bedarf an akademischen Fachkräften im Bereich der Logistikbranche ist vergleichsweise gering. Das vielfältige Angebot an logistikspezifischen Studienschwerpunkten in der Region scheint den Anforderungen im Kreis Gütersloh zu genügen.
Aufgrund des bereits heute hohen Auslastungsgrades der Häfen- und Flussstandorte gewinnen die Binnenstandorte an Bedeutung. Die zentrale Lage des Standortes Kreis Gütersloh und das vergleichsweise gute Straßenverkehrsnetz ermöglichen es, dass die wesentlichen Relationen innerhalb von Deutschland über Nacht durch Spediteure bzw. Logistikanbieter aus dem Kreis Gütersloh bedient werden. Um das Potenzial in der West-Ost-Relation deutlich zu verbessern, ist der Ausbau der Autobahn A 33 zwischen Bielefeld und Osnabrück möglichst kurzfristig zu realisieren. Gleiches gilt für den Ausbau der B 64. Künftig wird der Warentransport über alternative Verkehrswege wie über das Schienennetz oder über die Wasserstraßen aufgrund der steigenden Kraftstoffkosten und Mautgebühren sowie der gesetzlichen Forderung nach einer deutlichen Senkung des CO2-Ausstoßes wichtiger. Die konkreten Überlegungen, den Mindener Hafen umfänglich auszubauen, sind daher begrüßenswert. Im Kreis Gütersloh ist zwar ein funktionsfähiges Schienensystem vorhanden, jedoch gibt es kein etabliertes KLV-Terminal. Gleiches gilt für die kreisfreie Stadt Bielefeld. Zu einer optimalen Infrastruktur zählt im erweiterten Sinne auch das Angebot an freien Gewerbe-flächen mit GI-Status, welche den Unternehmen eine vollkontinuierliche Arbeitsweise ermöglichen. Hier gibt es neben den beiden interkommunalen Gewerbestandorten Aurea und IBV derzeit wenig attraktive Standorte, die ein größeres Flächenangebot an den zentralen Verkehrsachsen im Kreis Gütersloh bieten. Kommunale Aufgabe wird es sein müssen, der Industrie aus dem Kreis Gütersloh sowie der nachfolgenden Logistik attraktive Flächen im Sinne einer nachhaltigen Angebotsplanung zur Verfügung zu stellen.
Weitere Informationen bei Dr. Andrea Kaimann unter der Telefonnummer 05241/851091 oder per E-Mail andrea.kaimann(at)pro-Wirtschaft-gt.de.