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12.11.2008: Pro Wirtschaft legt Zwischenbilanz zur Profilierung des Logistikstandortes Kreis Gütersloh vor

Wesentliche Ergebnisse der Studie zu den Beschäftigtenzahlen im Bereich der Logistik im Kreis Gütersloh, SCI Verkehr GmbH, August 2008

 

  • Im untersuchten Kreis Gütersloh sind im Jahr 2007 ca. 7.300 Personen im Kernbereich der Logistik beschäftigt gewesen. Dies entspricht einem Anteil an den Gesamtbeschäftigten von 5,5%
  • Bei der Berücksichtigung der Beschäftigten, die in den Industrie- und Handelsunternehmen mit logistischen Aufgaben betraut sind, entfallen auf den Kreis Gütersloh ca. 16.500 Beschäftigte, die im Logistikbereich tätig sind. 
  • Dadurch ergibt sich ein Anteil der im Logistikbereich tätigen Personen an den Gesamtbeschäftigten von 12,3%
  • Zwar ist im Untersuchungszeitraum die Beschäftigung in der Logistik im Kreis Gütersloh weder im Kernbereich der Logistikbranche, noch in der erweiterten Logistikbranche signifikant gestiegen, es bleibt jedoch festzustellen, dass der Anteil der Logistik an der Gesamtbeschäftigung deutlich über dem Bundes- oder Landesschnitt liegt. 
  • Es konnten keine Verschiebungen zwischen Kernsektor der Logistik und erweiterter Logistikbranche beobachtet werden, die auf ein verstärktes outsourcing von logistischen Leistungen der in der Region ansässigen Unternehmen schließen lassen könnten. Dieser Umstand bedeutet jedoch noch weitere Wachstumschancen für die Logistikunternehmen in der Region. 
  • Insbesondere die industrielle Basis der Region Gütersloh mit großen Arbeitgebern wie Miele, Nobilia, Tönnies oder Bertelsmann haben dem Kreis Gütersloh zu einer starken logistischen Position verholfen. Dieser Umstand darf nicht unbeachtet bleiben, da Produktion und Logistik untrennbar zusammen gehören. Ohne die Querschnittsfunktion Logistik ist moderne Produktion nicht aufrecht zu erhalten. Das Ablehnen von Logistikfunktionen durch eine Region schwächt somit den örtlichen Arbeitsmarkt. 
  • Die Vergleiche mit anderen Regionen zeigen das Potenzial, das die Branche auch für Gütersloh haben könnte. Dazu ist allerdings die Bereitstellung geeigneter Logistikflächen für Neuansiedlungen und ein professionelles Marketing notwendig. Auch der Aufbau eines regionalen Clusters kann helfen, noch ungenutztes Potenzial in der Region zu heben.
Gesprächsrunde während der Logistikveranstaltung am 12.11.2008.

Entwicklung der Branchenstruktur

 

Die Logistikbranche im Kreis Gütersloh ist eng mit dem verarbeitenden Gewerbe verbunden und in ihrem Wachstum sowie ihrer Angebotsvielfalt den Entwicklungen und Anforderungen der Industrieunternehmen in den letzten Jahrzehnten gefolgt. Aufgrund der breit gefächerten Branchenstruktur im Kreis Gütersloh ist die Logistikbranche mit ihren clusterspezifischen Logistikspezialisten vergleichsweise breit aufgestellt. So verfügt der Kreis Gütersloh beispielsweise über Spezialisten im Bereich Kühlkettentransport oder Transport von Windkrafträdern bis hin zur arvato AG, die logistische Dienstleistungen in großem Maße an den Standort Kreis Gütersloh bindet, welche nicht zwingend mit der Industrie im Kreis Gütersloh oder dem näheren Umfeld in Verbindung stehen.

 

 

Fachkräfte

 

In den letzten Jahrzehnten verfolgten die Logistikdienstleister die Ausbildung von logistikspezifischen Fachkräften nicht konsequent. Auch vernachlässigten sie gemeinsam mit den Spediteuren in der Vergangenheit eine langfristig ausgerichtete, strategische Personalentwicklung im Kreis. Diese befindet sich momentan im Aufbau. Zudem ist das Image der entsprechenden Ausbildungsberufe aufgrund der vergleichsweise geringen gesellschaftlichen Akzeptanz sowie der Bezahlung ausgesprochen ausbaufähig. So interessierten sich laut Aussagen von Logistikexperten aus dem Kreis Gütersloh nur wenige Schulabgänger für Ausbildungsplätze in der Logistikbranche. Sie bevorzugen eher Ausbildungsmöglichkeiten in der Maschinenbau-Branche. Eine Imagekampagne zur Verbesserung des Ansehens logistikspezifischer Ausbildungsberufe wäre wünschenswert und könnte auch zu einem Anstieg der Qualität der Auszubildenden beitragen. Als positiv zu bewerten sein dürfte die Einrichtung einer ortsnahen Fachklasse "Fachlagerist/Fachkraft für Lagerlogistik" am Ems-Berufskolleg in Rheda-Wiedenbrück zum Schuljahr 2008/2009. Im Schuljahr 2007/ 2008 wurden am Carl-Severing Berufskolleg in Bielefeld insgesamt 18 Fahrer (verteilt über drei Jahre) aus dem Kreis Gütersloh beschult. Inwieweit hier mittelfristig die Einrichtung einer Fachklasse für Berufskraftfahrer an einem Berufskolleg im Kreis GT sinnvoll ist, hängt maßgeblich von den Ausbildungsangeboten der Unternehmen ab. Der Bedarf an akademischen Fachkräften im Bereich der Logistikbranche ist vergleichsweise gering. Das vielfältige Angebot an logistikspezifischen Studienschwerpunkten in der Region scheint den Anforderungen im Kreis Gütersloh zu genügen.

 

Aufgrund des bereits heute hohen Auslastungsgrades der Häfen- und Flussstandorte gewinnen die Binnenstandorte an Bedeutung. Die zentrale Lage des Standortes Kreis Gütersloh und das vergleichsweise gute Straßenverkehrsnetz ermöglichen es, dass die wesentlichen Relationen innerhalb von Deutschland über Nacht durch Spediteure bzw. Logistikanbieter aus dem Kreis Gütersloh bedient werden. Um das Potenzial in der West-Ost-Relation deutlich zu verbessern, ist der Ausbau der Autobahn A 33 zwischen Bielefeld und Osnabrück möglichst kurzfristig zu realisieren. Gleiches gilt für den Ausbau der B 64. Künftig wird der Warentransport über alternative Verkehrswege wie über das Schienennetz oder über die Wasserstraßen aufgrund der steigenden Kraftstoffkosten und Mautgebühren sowie der gesetzlichen Forderung nach einer deutlichen Senkung des CO2-Ausstoßes wichtiger. Die konkreten Überlegungen, den Mindener Hafen umfänglich auszubauen, sind daher begrüßenswert. Im Kreis Gütersloh ist zwar ein funktionsfähiges Schienensystem vorhanden, jedoch gibt es kein etabliertes KLV-Terminal. Gleiches gilt für die kreisfreie Stadt Bielefeld. Zu einer optimalen Infrastruktur zählt im erweiterten Sinne auch das Angebot an freien Gewerbe-flächen mit GI-Status, welche den Unternehmen eine vollkontinuierliche Arbeitsweise ermöglichen. Hier gibt es neben den beiden interkommunalen Gewerbestandorten Aurea und IBV derzeit wenig attraktive Standorte, die ein größeres Flächenangebot an den zentralen Verkehrsachsen im Kreis Gütersloh bieten. Kommunale Aufgabe wird es sein müssen, der Industrie aus dem Kreis Gütersloh sowie der nachfolgenden Logistik attraktive Flächen im Sinne einer nachhaltigen Angebotsplanung zur Verfügung zu stellen. 

 

Weitere Informationen bei Dr. Andrea Kaimann unter der Telefonnummer 05241/851091 oder per E-Mail andrea.kaimann(at)pro-Wirtschaft-gt.de.

 

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