
Ein aus dem Jahre 1904 stammendes und inzwischen denkmalgeschütztes Werkstattgebäude der ehemaligen Altarbildhauer Bernhard Diedrichs und Franz Knoche, das mit dem reich verzierten und bereits 2005 restaurierten "Wiedenbrücker Künstlerhaus" ein Ensemble bildet, wurde zum "Wiedenbrücker Schule Museum" umgebaut. Es ist in hervorragender Weise geeignet, die Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Formensprache aus der Zeit des Historismus zu dokumentieren.

Mit "Wiedenbrücker Schule" wird das in Wiedenbrück im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts blühende Kunsthandwerk bezeichnet. Es handelte sich um einen lokalen Verbund von Werkstätten mit sich gegenseitig ergänzenden Spezialisierungen. In den Werkstätten wurde kirchliche Ausstattungskunst hergestellt. Die hohen Anforderungen der kirchlichen Auftraggeber führten bald zu einer Spezialisierung der Werkstätten. Es gab Altarbauwerkstätten, Bildhauer, Ornamentiker und Maler. Der gute Ruf der Werkstätten ging bis nach Übersee und zeugte für hohe handwerkliche und gestalterische Qualität. Gegen 1900 arbeiteten in Wiedenbrück etwa 15 große Werkstätten.

Bisher konnten Informationen über mehr als 1.700 Aufträge von etwa 700 Kirchen gesammelt werden, die mit Altären, Kanzeln, Kommunionbänken, Kreuzwegen, Beichtstühlen, Altarbildern, Heiligenfiguren und ganzen Ausmalungen ausgestattet wurden.
Aus dem Ruhrgebiet, dem Rheinland, dem Sauerland und Münsterland, aber auch aus dem Eichsfeld kamen viele Aufträge. In Berlin gehörten mehr als 10 Kirchen zu den Kunden. Dort sind einige berühmte Kirchen, z.B. die Rosenkranzbasilika und St. Elisabeth, noch heute im alten Zustand erhalten. Sogar in Königsberg, in Kanada, den USA, Südamerika und China finden sich Erzeugnisse der Wiedenbrücker Werkstätten.
In Theorie und Praxis werden im neuen WIEDENBRÜCKER SCHULE MUSEUM die Entwicklungen der "Wiedenbrücker Schule" und ihre Einbindung in den Historismus aufgearbeitet sowie die konkreten Ausstellungsstücke aufgezeigt.
Öffnungszeiten:
mittwochs, samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr
Am ersten Sonntag im Monat findet um 14 Uhr eine offene Führung statt.
Kontakt:
Stiftung Ausstellungs- und Begegnungsstätte Wiedenbrücker Schule
Hoetger-Gasse 1
33378 Rheda-Wiedenbrück
Telefon: 05242 93010
Während der Öffnungszeiten erhalten Sie Informationen direkt im Museum unter der Telefonnummer 05242 3785526.