Innovations.Kreis.GT zu Gast bei HORA
"Als mein Sohn mit 15 Jahren zum ersten Mal Rasen gemäht hat, ist er kreuz und quer durch den Garten gefahren. Als ich ihm dann gezeigt habe, wie es richtig geht und er anschließend Streifen für Streifen gemäht hat, war er natürlich schneller fertig." Mit diesem Alltagsbeispiel für eine Prozessinnovation eröffnete Dr. Gerold Holtkamp (Technologietransferstelle der Uni und Fachhochschule Osnabrück) die dritte Veranstaltung des "Innovations.Kreis.GT". Dieses Mal hatte die pro Wirtschaft GT in die Räume der Holter Regelarmaturen GmbH (HORA) in Schloß Holte-Stukenbrock eingeladen, wo sich rund 40 Teilnehmer über den "Erfolgsfaktor Prozessinnovation" informierten.
Prozessinnovation, also die Erneuerung und Verbesserung von Arbeitsabläufen, wird meist nicht direkt als Erfolgsfaktor eines Unternehmens betrachtet und deshalb oft vernachlässigt. Nicht so bei HORA. Hier wird Prozessinnovation seit über zehn Jahren praktiziert. "1997 wurde in unserem Haus die erste Diplomarbeit zu diesem Thema geschrieben", sagte Dr. Dieter Dresselhaus, geschäftsführender Gesellschafter der HORA.
Gemeinsam mit der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo hat das Unternehmen in dieser Zeit viele Arbeitsabläufe verbessert. So wurden beispielsweise Arbeitswege innerhalb des Betriebs verkürzt, Maschinen umgestellt oder ein Automat zur Werkzeugausgabe angeschafft, der von einem externen Dienstleister betreut wird. Es gibt somit keinen Bestand an vorgehaltenen Werkzeugen mehr. Abgerechnet werden nur die Werkzeuge, die dem Automaten entnommen werden. Das alles spart vor allem eins: Zeit. Denn, so erklärte Professor Dr. Wilfried Jungkind, 30 Prozent der Arbeitszeit seien unproduktiv ? was oft mit mangelnder Planung zusammenhänge. Und da kommen die Studenten aus Jungkinds Fachbereich ins Spiel. "Wir bilden Prozessoptimierer aus", erklärte er.
Inzwischen hat HORA sogar eine eigene Prozessinnovationsabteilung eingerichtet hat, in der auch ehemalige Studenten oder Diplomanden arbeiten. Hier werden zum Beispiel Prozesslandkarten entworfen: Skizzen, die den Informations- und Materialfluss im Unternehmen überprüfen. Damit sind HORA und die Hochschule OWL ein gutes Beispiel dafür, wie der Austausch zwischen Hochschulen und Wirtschaft funktionieren kann.
Schließlich nannte Dr. Dieter Dresselhaus einen wichtigen Grund, weshalb HORA so stark auf Prozessinnovation setzt: Neue Prozesse innerhalb eines Unternehmens sind nicht so schnell kopierbar wie neue Produkte. "Man braucht Prozessinnovation, um einen echten Wettbewerbsvorteil zu haben", sagte er.
Vortrag von Prof. Dr. Wilfried Jungkind und Dr. Dieter Dresselhaus als pdf-Dokument (ca. 3,1 MB)