Das Europe Direct Informationszentrum Kreis Gütersloh informierte über den Euro

Kreis Gütersloh. Die gute Nachricht verkündetet Nikola Weber gleich zu Beginn. "Die Experten sind sich einig - es gibt keine Euro-Krise", erklärte die Koordinatorin des Europe Direct Informations-zentrums Kreis Gütersloh vor rund 100 Gästen im Gütersloher Kreishaus. Das Europe Direct Kreis GT hatte zur Veranstaltung "Der Euro: Kitt zwischen Staatshaushalten, Finanzwesen und Wirtschaft" eingeladen und damit den Nerv der Teilnehmer getroffen.
"Wenn der Euro Schuld an der Finanzkrise sein soll, könnte man ebenso gut sagen, der Dollar sei Schuld an der Immobilienkrise in den USA", sagte Professor Dr. Robert Vehrkamp, Direktor des Programms ?Europas Zukunft? der Bertelsmann Stiftung. Er erzählte zu Beginn seines Vortrags "das Märchen von der Deutschen Mark" als "Talisman der Deutschen", wodurch der Euro es schwer hatte, als neue Währung akzeptiert zu werden. "Der Euro sei nicht die Ursache des Problems, sondern Teil der Lösung in der Eurozone", so Vehrkamp. Seine Prognose: "Wenn wir das Altschuldenproblem lösen, dann kann der neue Euro tatsächlich zum Kitt werden."
In der anschließenden Podiumsdiskussion kam Vehrkamp ins Gespräch mit Daniel Nottbrock, Geschäftsführer Financial Services Tönnies Holding GmbH & Co. KG, Bundestagsmitglied Ralph Brinkhaus, Versmolds Bürgermeister Thorsten Klute und dem Europaabgeordneten Elmar Brok. Jeder der Fünf, hält den Euro als Gemeinschaftswährung für unerlässlich, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.
Nottbrock stellte dar, wie viel Aufwand die Absicherung von Währungsrisiken für ein Unternehmen wie Tönnies bedeutet. Er wünscht sich, eine Ausweitung der Eurozone und damit eine sichere Grundlage für die Kalkulation und den Export. Für Thorsten Klute hat der Euro die an ihn gestellten Erwartungen erfüllt - er ist ein funktionierendes Zahlungsmittel. Als eine wesentliche Ursache für Probleme sehe er allerdings die großen Unterschiede in den Leistungsbilanzen der einzelnen Staaten. Daher seine Forderung an die EU-Politiker, die Wirtschaftspolitik besser zu koordinieren, damit die Unterschiede in den Leistungsbilanzen mit der Zeit geringer würden. Auch Brinkhaus wies auf die Produktivitätsunterschiede zwischen den Euro-Ländern als eine Ursache für Probleme hin und betonte, dass alles dafür getan werden müsse, dass der Euro eine stabile Währung bleibe. Das könne man nur gemeinsam erreichen. Davon war auch Brok überzeugt. Sein Resümee des Abends: Bessere Staatshaushalte, weniger Möglichkeiten für Spekulationen, gemeinsames Wachstum und ein funktionierender Binnenmarkt seien die wichtigsten Voraussetzungen, um in Zukunft auf dem Weltmarkt gegen China anzukommen. Deutschland müsse dabei selbst mit einem guten Beispiel voranschreiten und alles tun, um die Stabilität des Euro zu unterstützen. Vehrkamp stellte zusammenfassend fest, dass die Schuldenkrise uns weiter beschäftigen werde, da die Probleme noch nicht gelöst seien. Dabei sei es sehr wichtig, die Vorteile der EU und der Währungsunion immer vor den Augen zu halten.
Das Europe Direct Kreis Gütersloh hat die wesentlichen Informationen zum Euro in einem Fact-Sheet zusammengefasst, das kostenlos unter 05241/851403 bestellt werden kann und auch im Internet zum Download zur Verfügung steht. www.europedirect-gt.de